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Liebe Slow Food Freunde,
hier kommt nun der versprochene Bericht über die „Balkan Slow Food Messe in Sarajevo“ mit Fotos!
International | Tatendrang in Bosnien-Herzegowina
Die jungen Balkanstaaten haben noch wenig Erfahrung in Sachen Slow Food. Dafür gibt es engagierte Mitglieder, die bereits erste Messen auf die Beine gestellt haben. Georg Schenk war kurz vor Ostern in Sarajewo und hat dort die „Fine Wine & Good Food“ besucht.
Zwei Tage, vom 31. März bis 1. April, dauerte die erste kleine „Balkan-Slow Food Messe“ in Sarajevo. Obwohl sie offiziell gar nicht so heißen durfte. Der Grund: Dem erst vor kurzem gegründeten Slow Food Convivium der Stadt fehlten schlichtweg die finanziellen Mittel, um eine Messe ohne wirtschaftliche Verluste umzusetzen. Dazu trauten die Verantwortlichen der Stadt Convivienleiterin Barbara Pribozic-Leka dieses Projekt nicht zu. Eine ihnen unbekannte Slowenin mit großen Ideen, die zudem noch ständig in der Öffentlichkeit kritisiert – wie sollte die allein genug Produzenten als Aussteller finden? Und doch schaffte sie es irgendwie: 55 Aussteller präsentierten ihre Spezialitäten auf der Messe, die nun als „Fine Wine & Good Food“ lief, mit vielen erstklassigen Weine von Kleinstwinzern, mit Slow Food, mit 1500 Besuchern und mit Unterstützung.
Auch aus Deutschland: Georg Schenk aus der Convivienleitung Dresden, Fachbeirat für östliche Nachbarn und Unterstützer von Slow Food Deutschland war extra angereist. Und überrascht, in Sarajewo zwei sehr engagierte Frauen kennenzulernen. Zum einen Barbara Pribozic-Leka, Sommelière von Beruf. Die gebürtige Slowenin ist seit acht Jahren in Bosnien-Herzegowina, schon 1999 schloss sie sich der Slow Food Bewegung in Slowenien an. Ihre Ideen brachte sie mit nach Sarajevo, fand aber in der Öffentlichkeit zunächst kein Verständnis und keine Resonanz, ein Convivium zu gründen. Und das, obwohl die Produkte in Bosnien-Herzegowina wesentlich autochthoner und besser sind als in Slowenien.
So machte Barbara Pribozic-Leka 2006 in Sarajevo zunächst einen Weinclub auf - in einer moslemischen Stadt, in der nur Hochprozentiges getrunken wird und es keinerlei Tradition in der Weinkultur gibt. Das kam einer Revolution gleich. Bei den Weinliebhabern konnte sie Interesse wecken und organisierte ein Dinner. „Danach gab es neun neue Slow Food Mitglieder“, erklärt sie stolz.
Dabei waren italienische Slow Fooder schon nach dem Krieg nach Bosnien-Herzegowina gekommen, um nach schützenswerten Produkten und besonderen Produzenten im Land zu suchen. So wurde der „Käse im Sack“, bzw. in der Schafshaut, und die „Slatko Pozegaca“, süße eingemachte Pflaumen, entdeckt, schon länger beides Presidi von Slow Food. Die Convivienleiterin bedauert sehr, dass es in solchen kulturellen Angelegenheiten nur vom Ausland Unterstützung gibt und nicht aus dem eigenen Land. Die Pflaumen aus der Stadt Gorazde werden schon seit acht Jahren durch die Italiener vermarktet, in Sarajevo sind sie erst seit zwei Jahren erhältlich, und hier auch nur in zwei Geschäften. Trotzdem ein Durchbruch.
Mit den Pflaumen kommt die zweite Frau ins Spiel, die Georg Schenk getroffen hat; Erna Subasic, sie leitet das Convivium Gorazde. Im Osten des Landes liegt die Stadt, wo im September 2009 zum ersten Mal ein „Festival of Taste“ stattfand, organisiert von dem dortigen Convivium und unter der Schirmherrschaft der Stadt Ustikolina. Auf den Straßen boten einheimische Kleinerzeuger ihre hochwertigen Produkte zum Kauf an. Über die Grenzen hinaus reisten auch Delegationen aus Kroatien, Mazedonien und Italien zum Festival. Eine zweite Auflage ist im September 2010 geplant.
Die zwei Frauen hoffen, dass nach der Messe im Herbst endlich auch die Regierungsverantwortlichen von ihrer Arbeit und von Slow Food überzeugt sind. Und in den nächsten Jahren mit etwas mehr Unterstützung vom Bürgermeister und dem Ministerium für Agrikultur gerechnet werden kann. Denn auch auf dem Balkan werden die Menschen zunehmen, die sich Gedanken über Lebensmittelprodukte, deren Herstellung, den sauberen Anbau und die Bewahrung der traditionellen Rezepte machen.
Beste Slow Food Küche Sarajevos: Alan Salman und seine Mutter betreiben die Orinalküche Bosniens.
Restoran Ruza Sarajevo, Safeta Hadzica 1, 71000 Sarajevo,
Tel +387.33618.182 www.restauranruza.com.ba
   
   
Mit genüsslichen Freuden Georg W. Schenk |